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Indiens Straßenhund-Urteil zeigt die harte Wahrheit: Tiere gelten als Eigentum

Indiens Oberster Gerichtshof ist von einer umstrittenen Anordnung zu Straßenhunden zurückgerudert und hat damit eine Debatte darüber ausgelöst, wie Gesellschaften Tierrechte definieren. Das Thema reicht weit über Delhi hinaus und wirft auch in Deutschland immer noch Fragen auf.

Ursprünglich hatte das Gericht angeordnet, dass alle Straßenhunde im Hauptstadtgebiet dauerhaft in Tierheime gebracht werden sollen. Aktivist:innen kritisierten das scharf und warnten, eine Massenumsiedlung würde unnötiges Leid verursachen. In der vergangenen Woche änderte ein Drei-Richter-Gremium die Vorgabe: Die Tiere sollen nun sterilisiert, entwurmt und geimpft werden, um anschließend in ihre ursprünglichen Viertel zurückzukehren. Ausgenommen sind nur tollwütige oder gefährlich aggressive Hunde.

So wirkt die Entscheidung zwar deutlich tierfreundlicher, legt aber ein tiefer liegendes Rechtsproblem offen: Indische Gerichte stufen Tiere weiterhin als Eigentum ein, nicht als Lebewesen mit eigenen Rechten. Dieses Verständnis, zuletzt im Streit um das Bullenrennen Jallikattu bestätigt, lässt menschliche Interessen regelmäßig schwerer wiegen als das Wohl der Tiere. Versuche, Tieren eine Rechtspersönlichkeit zuzuerkennen, sind bislang gescheitert – Richter:innen halten das für unrealistisch.

Weltweite Reformen im Tierschutz und deutsche Politik

Anderswo hat sich längst etwas bewegt: In Österreich und der Schweiz sind Tiere rechtlich keine Sachen mehr, und Großbritanniens Animal Welfare (Sentience) Act von 2022 erkennt ausdrücklich an, dass Tiere fühlen und leiden können. Indiens Festhalten an kolonialzeitlichen Definitionen bildet dazu einen scharfen Kontrast.

In Deutschland verläuft die Diskussion anders. Seit 2002 ist Tierschutz im Grundgesetz verankert, womit die Bundesrepublik europaweit zu den Vorreiter:innen gehört. Kommunen kämpfen dennoch mit verwilderten Haustieren, speziell in Städten, wo ausgesetzte Tiere schnell zur Belastung werden.

Konzepte setzen hierzulande vorrangig auf Kastration, Vermittlungsaktionen und enge Zusammenarbeit mit Tierheimen statt auf Massenfang. Die Debatte dreht sich meist darum, öffentliche Gesundheit und Mitgefühl in Einklang zu bringen – ein Zeichen dafür, dass die ethischen Fragen, die Indien aktuell diskutiert, auch bei uns noch längst nicht gelöst sind.